E-Mail in Ketten

Damit es eventuellen Angreifern unmöglich ist, den Weg der Nachricht durchs Remailer-Netz zu verfolgen, haben sich die Erfinder einige Kniffe einfallen lassen (das Mix-Konzept, siehe c’t 16/2000 S. 148). Von einer mehrfach ineinander geschachtelten Verschlüsselung bis hin zu künstlichen Weiterleitungsverzögerungen reicht die Palette der Verschleierungsmaßnahmen. All dies hat zur Folge, dass die anonyme E-Mail-Kommunikation alles andere als trivial ist. Ohne grundlegende Kenntnisse über E-Mail-Protokolle [1] sollte der Nutzer hier nicht zu Werke gehen, und etwas Know-how zu Verschlüsselungsmechanismen im Allgemeinen und Pretty Good Privacy (PGP) [2] im Speziellen kann so manchen Frust über nicht zugestellte E-Mails ersparen.

Wie bereits erwähnt durchläuft eine anonyme Mail sowohl bei Typ-I- als
auch bei Typ-II-Remailer-Netzen in der Regel eine ganze Kette (‘Chain’)
von Remailer-Servern, bevor sie ihr Ziel erreicht. Die Reihenfolge wird
bereits vor dem Versand festgelegt (‘chaining’). Jeder Typ-I-Remailer
verfügt über eigene PGP-Public-Keys, die ebenfalls vor dem Versand
bekannt sein müssen. Mit dem Kommando Anon-To: gefolgt von einer Zeile
mit zwei Doppelpunkten sowie einer Leerzeile teilt man dem letzten
Remailer in der Kette mit, an wen die Mail gerichtet ist. Damit es
anderen Remailern in der Kette unmöglich ist, das Ziel der Mail zu
ermitteln, wird sie anschließend komplett mit dem Public-Key des
letzten Remailers verschlüsselt. Wenn sie dort ankommt, wandelt er die
Nachricht in Klartext zurück und stellt sie endgültig der Zieladresse
zu. Analog dazu verfahren die Remailer zwischen der Kette, sodass eine
regelrechte Kaskade von ineinander verschachtelten Verschlüsselungen
entsteht.